Unser Tagesablauf:

  1. Wir, zwei ausgebildete Erzieherinnen treffen uns jeden Morgen um 8:15 Uhr auf dem Spielplatz und erwarten unsere 20 Waldkinder im Alter von 3 – 6 Jahren.

  2. Alle Kinder sind mit wetterfester Kleidung und Rucksäcken, in denen sich Isomatte, ein nasser Waschlappen, Frühstück und Trinkflasche befinden, ausgestattet. Wir Erzieherinnen tragen in unseren Rucksäcken Erste-Hilfe-Kasten, Handy, Bestimmungsbücher, Ersatzkleidung, Seile und Materialien. Wir haben außerdem eine Regenplane dabei.

  3. Schnell sind die Schaukeln besetzt und das Karussell wird von Groß und Klein erobert. Während die Kinder den Spielplatz nutzen, um die ersten Kontakte aufzunehmen und zu überlegen, wer mit wem was spielt, haben wir Erwachsenen die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch zwischen „Eiche und Buche“.

  4. Um 8:30 Uhr ertönt der Ruf „ 1-2-3 kommt herbei „. Die Kinder verabschieden sich von ihren Eltern und nun treffen wir uns alle im Morgenkreis. Unser gemeinsamer Waldtag beginnt.

  5. Wir begrüßen uns und den Tag mit dem Lied: „Guten Morgen liebe Sonne“ und umarmen uns im Anschluss herzlich. Nun zählt ein Kind die Kinder im Kreis, damit wir herausfinden wie viele Kinder heute fehlen und wer das wohl ist. Wir Erzieherinnen bestimmen den Spielort.

  6. Die Auswahl des Spielortes ist wetter- und themenabhängig. 44 Plätze stehen zur Auswahl. Jeden Tag wird ein anderer Platz aus Gründen des Waldschutzes besucht. Der Waldboden leidet, wenn eine Kindergruppe mehrere Tage an einem Spielort ist. Um dies zu verhindern wird ein Spielort nach dem Besuch 3 Wochen gemieden.

  7. Bei Wind und starkem Regen bevorzugen wir Plätze unter Fichten, da wir dort geschützter sind. Bei Schnee gehen wir auf einen unserer Rodelplätze.

  8. Anschließend singen wir das „Hallo – Lied“, bei dem jedes Kind mit seinem Namen freudig begrüßt wird. Dann singen wir noch weitere Lieder, spielen ein Finger- oder Kreisspiel.

  9. Diese ergeben sich aus den aktuellen Themen der Gruppe und den Jahreszeiten und verändern sich entsprechend.

  10. Nun setzen alle ihre Rucksäcke auf und wir machen uns auf den Weg.

  11. Auf diesem Weg, der unterschiedlich lang ist, kommen wir langsam voran, da es viel zu entdecken gibt: z.B. eine Nacktschnecke, die über den Weg kriecht, ein Buschwindröschen, das seine Blüte der Sonne entgegenstreckt oder ein Baumstamm, der zum Balancieren einlädt.

  12. Neben Wettrennen, die von den Kindern durchgeführt werden, ist dies auch die Zeit, in der ein intensiver Austausch innerhalb der Kindergruppe stattfindet.

  13. Wir kommen am „Geschichtenbaum“ vorbei. Um diese große, mächtige Buche setzten sich alle Kinder und erwarten eine Geschichte „Von der kleinen Rotbuche“, die aus ihrem aufregenden Leben berichtet. Dann geht’s weiter.

  14. An unserem Ziel angekommen, stellen sich die Kinder in einem Kreis auf und setzen ihre Rucksäcke ab. Nun beginnt die „Stille – Zeit“. Die Kinder schließen für 2-3 Minuten die Augen und horchen in den Wald hinein. Im Anschluss erzählen wir uns, was gehört wurde.

  15. Dies ist eine Zeit zum Innehalten und ruhig werden, nach dem bewegungsreichem Hinweg.

  16. Die Kinder lernen akustische Veränderungen und Vielfalt  wahrzunehmen, zu unterscheiden  und zu verbalisieren.

  17. Jetzt startet die erste Freispielzeit, in der die Kinder ohne die mit gebrachten Materialien spielen. Die Kinder verteilen sich in verblüffender Geschwindigkeit in alle Himmelsrichtungen. Aber immer in Sicht- und Hörweite der Erzieherinnen.  

  18. Pünktlich  um 10:00 Uhr knurren die ersten Kindermägen und der allbekannte Ruf erklingt im Wald „1-2-3 kommt herbei. Die Frühstückszeit beginnt.“ Alle Kinder packen ihre Sitzmatten aus, setzen sich darauf, waschen sich ihre Hände und wir wünschen uns einen „Guten Appetit“ mit dem Tischspruch: „Erde die uns dies gebracht“. In Gesprächen vertieft verspeisen die Kinder ihr gesundes Frühstück.

  19. Wenn die ersten 3 Kinder mit frühstücken fertig sind, können sie leise einpacken und spielen gehen.

  20. In der 2. Freispielzeit bestehen für alle die Möglichkeit sich die mitgebrachten Materialien auszuleihen. Viele verschiedene Spielgruppen bilden sich, die untereinander Kontakt halten. An der Wurzel haben sich 4 Kinder getroffen, die zusammen Dinosaurier spielen, ein Stück weiter entfernt wird hinter einem Busch eine Zirkusvorstellung vorbereitet; an dem Baumstamm sind Vater und Mutter Löwe dabei, ihr Baby-Löwe zu füttern und zu versorgen.

  21. Viele intensive, phantasievolle und kreative Spielideen entstehen, die auch andere Kinder interessieren. So ist ein reger Austausch zwischen den Gruppen gegeben.

  22. Es finden in dieser Zeit auch angeleitete Aktivitäten statt, wie zum Beispiel Seilspringen, Schnitzen oder Gruppenspiele, die von einer Erzieherin betreut werden.

  23. Nach einer guten Stunde beendet die Geschichtenzeit die Freispielzeit. Alle Kinder setzen sich auf den Boden und hören sich die mitgebrachte Geschichte an.

  24. Im Wechsel werden Bilderbücher und Märchen ausgewählt und in einem Rhythmus von 14 Tagen vorgelesen und wenn möglich gespielt. Entweder die Kinder besetzen die Rollen der Akteure oder es werden aus Naturmaterialien Figuren und Kulissen gestaltet.

  25. Die Dauer von 14 Tagen ist uns wichtig, um dem Bedürfnis nach Wiederholung, welches im Kindergartenalter sehr hoch ist, zu entsprechen.

  26. Der Kindergartentag neigt sich dem Ende zu, alle Kinder setzen ihren Rucksack auf und wir laufen zügig zum Spielplatz. Auf dem Rückweg ist keine Zeit mehr zum Spielen, denn wir haben alle Zeit auf dem Platz verbraucht.

  27. Auf dem Spielplatz angekommen, stellen wir uns im Kreis auf, besprechen kurz den nächsten Kindergartentag und singen dann unser Abschlusslied: “Alle Leut’“.

  28. Um 13:00 Uhr gehen wir dann gemeinsam zu unserer Abholstelle, der großen Eiche. Dort erwarten uns bereits die Eltern, denen die Kinder entgegenlaufen.